R.E.M. Konzert 
am 19.07.03 
in Wiesbaden





 


 
 
Dani und ich haben uns zwei Tage vorher spontan entschieden zu dem Konzert in Wiesbaden zu gehen und waren ganz überrascht, dass es noch Karten gab.
50 Euro fand ich zwar ganz schön viel, aber wir haben es nicht bereut.
Einfach alles hat gestimmt: das Wetter war klasse, man konnte bevor es losging noch gemütlich auf der Wiese sitzen, das Publikum war sehr gemischt, was ich auch gut fand, die Vorgruppen waren nicht sooo schlecht und R.E.M. live ist schon echt sehr gut.
Nur schade, dass nach 2 Stunden Schluss war ... aber trotzdem ... echt schee war`s :-)))

 
 
Setlist
Begin The Begin
What's The Frequency, Kenneth?
Maps And Legends
Drive
Animal
Daysleeper
The Great Beyond
Bad Day
The One I Love
All The Way To Reno
Orange Crush
Losing My Religion
At My Most Beautiful
Electrolite
She Just Wants To Be
Walk Unafraid
Man On The Moon

Everybody Hurts
So Fast, So Numb
Country Feedback
Permanent Vacation
Imitation Of Life
End Of The World

 
 
Bilder

 
Zeitungsartikel

 
Fast schon wie eine Privat-Party
Brillante Akustik und eine gut gelaunte Band machten das R.E.M.-Konzert zum Super-Erlebnis
 

Rund 15 000 Fans genossen R.E.M. "zum Anfassen"auf dem Bowling Green.

Zwei Stunden Mega-Party lieferte R.E.M. am Samstagabend auf dem Bowling Green. Mehr als 15 000 Menschen erlebten das Konzert im abgezäunten Bereich, einige Tausend hatten sich auf Plätzen und Straßen rund herum versammelt.

Die Picknick-Decke unterm Arm, die große Flasche Wasser und ein paar Brötchen im Rucksack - bereits um 17 Uhr strömten die Fans am Samstagnachmittag auf das Bowling Green. Friedlich und locker ging es ab, schließlich musste man nicht mit aller Kraft versuchen, in der ersten Reihe zu stehen. Auch von den Schattenplätzen unter den Platanen hatte man einen guten Blick auf die Bühne vorm Kurhaus.
Während sich die Frühkommer ganz gemütlich beim Picknick auf die ungewöhnliche Musik der Vorgruppen "Bambi Molesters" und "Blumfeld" einlassen, treffen sich viele an den Ständen rund ums Green und plaudern beim "Sommerwein" und einem kühlen Bier über Gott und die Welt und was sie heute Abend mit R.E.M. so alles erwartet. Denn nicht jeder der rund 15 000 Menschen auf dem Bowling Green ist ausgemachter R.E.M.-Fan, viele kennen nur einige Songs und sind "einfach mal neugierig mitgekommen".
Währenddessen sitzen Michael Stipe, Mike Mills und Peter Buck mit ihrem Team nur wenige Meter entfernt auf der Terrasse des Nassauer Hofs, stärken sich vegetarisch für das Konzert und können dabei beobachten, wie die Fans langsam das Feld bevölkern. Wie R.E.M.-Frontmann Stipe später dem Publikum vorschwärmen wird, findet er es "great", dass er ganz unbehelligt die Fans beobachten konnte, ohne gleich bestürmt zu werden. Und er freut sich, so viele Fans in T-Shirts der vergangenen Touren zu sehen, die deutschen Fans seien halt schon etwas Besonderes, lobt er.
Über das Publikum kann sich später auch Irene Pasrigger von der Aids-Hilfe nicht beschweren: gemeinsam mit neun Kollegen steht sie an den Eingängen und schwenkt die Sammelbüchsen für die Aids-Hilfe. 1481,29 Euro kommen dabei zusammen. Vor allem freut sich Parigger jedoch über die Anteilnahme. "Den Satz, ,Aids geht ja uns alle an', haben wir ziemlich oft gehört", erzählt sie, "das ist sonst nur selten der Fall."
Als die letzten "Blumfeld"-Akkorde verklingen, wird es enger auf dem Bowling Green. Jeder versorgt sich noch schnell mit frischen Getränken und sucht sich ein nettes Plätzchen, um die Jungs aus Athens richtig genießen zu können. Rund um den abgezäunten Bereich ist inzwischen nur noch schwer ein Platz zu ergattern; rund 2 000 Menschen - mit Kinderwagen, Liegestuhl und sogar einem Grill - haben sich vor dem Nassauer Hof und dem Haus vier Jahreszeiten versammelt, um das Konzert als "Zaungäste" mitzuerleben. Auf der Terrasse des China-Restaurants "Dachgarten" ist schon seit Tagen kein Platz mit Bühnen-Blick mehr zu bekommen. Ganz besonders stolz ist die Küchenmannschaft, dass eine der 17 Kameras bei ihnen steht. Auch auf der Rasenfläche an der Prinzessin-Elisabeth-Straße hat sich mittlerweile Picknick-Kultur breit gemacht.
Um 20.50 Uhr stürmt das Erfolgs-Trio mit Band auf die Bühne. Unter frenetischem Applaus beginnt ein zweistündiges Konzert der Superlative. Man klatscht, tanzt und singt - so weit es die manchmal etwas kryptischen Texte zulassen - mit und ist einfach Teil dieser Mega-Party. Als Michael Stipe verkündet, dass dieser Abend aufgezeichnet wird und in rund viereinhalb Monaten als DVD weltweit in den Handel kommen wird, jubelt die Masse. Stipe schwärmt von dem historischen Ambiente der Stadt und dass es für den Regisseur schon früh klar gewesen sei, dass diese DVD-Aufnahmen nur in Wiesbaden gemacht werden können.
Nach jedem Song legt die Band eine kleine Pause ein, Buck, Stipe und Mills teilen sich ein Bier, Stipe plaudert aus dem Nähkästchen ("Mein Vater war, als ich sieben war, in Hanau stationiert. Damals müssen wir auch in dieser wunderschönen Stadt gewesen sein.") und lässt somit das Konzert zu einer lockeren Party werden, bei der jeder das Gefühl hat, den Jungs auf der Bühne besonders nah zu sein.
Nach etlichen Zugaben verhallt eine Minute vor 23 Uhr der letzte Akkord von "It's the end of the world as we know it". Glücklich und zufrieden strömen die Fans zu den Ausgängen. Manche kaufen sich noch ein Erinnerungs-T-Shirt - "vielleicht fällt es ja Michael beim nächsten Konzert wieder auf".
Die 23-jährige Mareike aus Paderborn sitzt mit leuchtenden Augen in ihrem Rollstuhl auf dem Podest vor dem Beleuchtungsturm. "Es war klasse", schwärmt sie. Vom Podest aus konnte sie die Band prima sehen, außerdem haben sie all ihre Lieblingslieder gespielt. Ganz begeistert ist sie von der Atmosphäre und der Stimmung auf dem Konzert: "Das hat sogar die Robbie Williams-Show vor drei Jahren getoppt", ist sie überzeugt.
Auch Peter schwärmt von diesem Abend. Der Holländer und seine vier belgischen Freunde sind extra nach Wiesbaden gereist. Peter hat bereits acht R.E.M.-Konzerte dieser Tour erlebt, doch "dieses war das beste. Das Publikum war einfach super drauf und die Akustik brillant!". Völlig verzaubert suchen die Jungs nun noch eine Diskothek: "Dieser Abend muss gefeiert werden!"


 
 
 
 
"Das ist der beste Ort für ein Konzert"
R.E.M. gefällt's vor dem Wiesbadener Kurhaus - den Zuhörern sogar hinter dem Zaun
 

Frühes Kommen sichert die vordersten Plätze.
Aber hinten fanden's einige R.E.M.-Fans beim Konzert vor dem Wiesbadener Kurhaus genauso schön.
 

Zumindest für R.E.M. ist Wiesbaden der beste Ort in Europa, um ein Konzert zu geben. Da werden sich kritische Geister, die immer behaupten, hier sei nichts los, also umorientieren müssen. Auf dem Bowling Green vor dem Kurhaus wurden die Stars ausgiebig gefeiert. Nach Hamburg, Berlin und München und einem Ausflug über Österreich, die Schweiz, Polen, Schottland und Irland, war Wiesbaden der vorerst letzte deutsche Auftritt der Kult-Band.
Und egal ob sie eine Eintrittskarte hatten oder nicht, die Fans kamen allesamt auf ihre Kosten. Die Drei-Klassen-Gesellschaft unterteilte sich an diesem Abend nur vordergründig in drinnen, draußen und nah dran. Denn die Nähe zur Bühne musste nicht unbedingt immer etwas mit dem Grad der Begeisterung zu tun haben. Die Clique etwa, die es sich auf dem Gehweg der Wilhelmstraße auf einer Decke bequem gemacht hatte, konnte bei jedem Titel nicht nur Veröffentlichungsdatum und das zugehörige Album aufsagen, sondern vertiefte sich auch gern mal in angeregte Diskussionen über die Bedeutung der Texte. Hinter den Absperrgittern waren derartige Gespräche kaum möglich. Eine ausgezeichnete "Anlage" verhinderte eigentlich jede Kommunikation. Erstaunlich war dabei die Klangqualität, die sich ohne weiteres mit renommierteren Großereignissen und Spielstätten messen konnte. Mehr noch: für ein Open-Air-Konzert war das, was hier zu hören war, an Klarheit und Klangschärfe nicht zu überbieten. Kein schwammiger Gitarrenbrei oder Trommelwust, der den Gesang überlagert hätte. Eine beeindruckende Lichtershow tat bei Einbruch der Dämmerung ihr übriges, um dem Platz vor dem Kurhaus eine einmalige Atmosphäre zu verleihen.
Mitsingen konnten spätestens ab dem vierten Stück alle. Da war es schon wieder egal, wo man war. Christina und Manuela etwa fühlten sich auf der gesperrten Wilhelmstraße sichtlich wohl. Das Paar aus der Nähe von Stuttgart hatte sich die Fahrt zum "Einjährigen" geschenkt, für die Karten die immerhin 52 Euro das Stück gekostet hätten, reichte das Budget der Studentinnen dann nicht mehr. Egal, denn dabei sein ist schließlich alles. Selbst das Bier hatte auf beiden Seiten des Zaunes den gleichen Preis. "Ein bisschen wie Rock am Ring" sei die Stimmung, verstieg sich gar ein begeisterter Zaungast. Doch das wäre dann wohl doch etwas zuviel der Ehre.
Zumindest wurde deutlich, dass sich Wiesbaden eine derartige Veranstaltung durchaus leisten kann. Publikum ist da, Stimmung ebenfalls, und es ist ganz offensichtlich keinesfalls unmöglich, große Namen auf kleine Plätze zu locken. Auch für die Künstler ist das nicht alltäglich - vor einer derart stimmungsvollen Kulisse wie dem Wiesbadener Kurhaus wird R.E.M. wohl so bald nicht wieder spielen.