8.6.2004
Ludwigshafen

es war heiss - es war laut - es war richtig geil!


Setlist
Blackened
Fuel
Sad But True
Welcome Home (Sanitarium)
Wherever I May Roam
Frantic
King Nothing
St. Anger
Creeping Death
Fade To Black
Battery
--------
No Leaf Clover
Nothing Else Matters
Master of Puppets
One
Enter Sandman
--------
Jump In The Fire
Seek & Destroy
Presse
Metallica, Slipknot, Lostprophets - Mannheim-Ludwigshafen, Südweststadion, 08.06.2004

Am heißesten Tag des bisherigen Jahres stand mit den Senkrechtstartern von LOSTPROPHETS, den gehypten Maskenfreaks von SLIPKNOT und natürlich dem Headliner, der Thrashlegende METALLICA ein beachtenswertes Programm im altehrwürdigen Ludwigshafener Südweststadion an. Das dabei das weite Rund nur zu circa dreiviertel gefüllt war, das vorneweg, tat der guten Stimmung keinerlei Abbruch. Dabei dürften die doch recht hohen Ticketpreisen von 52,- bis 57,- Euro nicht der einzigste Grund gewesen sein welche ein ausverkauftes Haus verhinderten. Metallica gaben immerhin innerhalb von 18 Monaten zum dritten Mal ein Gastspiel in Süddeutschland. Trotzdem waren rund 25.000 Metaller bei 33°C im Schatten gekommen und das nicht nur um sich einen Sonnenbrand zu holen.
Die Preise rund um das Konzert waren auf dem erwartet hohen Level angesiedelt u.a. mußte man für ein BECK’s Bier 0,3 L = 2,80 € abdrücken, die feilgebotene T-Shirts waren optisch eher bescheiden, vor allem beim viel zu hohen Startpreis von 35 für ein normales 0815 Shirt ging sogar aber noch weiter rauf bis zu 75 (!!) wollte man für ein !Basketball Hemd haben.
Der Sound von der Riesenbühne war beim Headliner dann wirklich fett und die visuelle Unterstützung mit mehreren Linewänden sowie tollen Kameraschnitten war perfekt abgestimmt.

Den Anfang machten die LOSTPROPHETS mit ihrem melodischen, an Nu-Metal angelehnten Rock und den Charthit „Last Train Home“ im Gepäck. Solide Show, eingängiger Stoff, aber ohne große Überraschungen spielten sich die Jungs aus Wales größtenteils durch ihren aktuellen (zweiten) Longplayer „Start Something“. Dabei erwies sich besonders „Burn, Burn“ als Schlusssong als Livekiller, der die Stimmung vor der Bühne in die Höhe trieb. Leider erreichten die LOSTPROPHETS die Fans nicht über die ganze Spielzeit (Originalzitat eines Besuchers am Bierstand: „ ..der Sound von denne ist mir doch zu sehr feminin, des is Musik für Mädels!“) – nun wie dem auch sei, aufgrund der Show und der Qualität der Songs hätten sie es eigentlich verdient gehabt.

Aber die meistens Fans warteten halt entweder auf METALLICA oder manche (warum auch immer) sogar auf SLIPKNOT.
So gab es für den knapp 40-minütigen Set größtenteils nur höflichen Anwesenheitsbeifall.
SLIPKNOT sollen mit ihrem aktuellen angeblich (zum Schrecken mancher ihrer Fans) „melodisch“ geworden sein – Live knüppeln sie auf jeden Fall immer noch so ziemlich alles nieder (und das nicht nur wegen drei (!?) aufgebauten Drumkits. An denen waren u.a. auch noch ein uraltes Bierfass angebracht, welches zwischendurch unter ausgiebigen Mattenkreisen mit einem Baseballschläger bearbeitet wurde. Leider haben die Jungs ihre tollen Masken nicht aufgehabt, da hätten sie bei mir wenigstens noch ein paar Garderobentrostpunkte bekommen aber nein war ihnen wohl etwas zu warm. „Sänger“ Corey Taylor hat die Masse voll im Griff, schreit, kreischt und tatsächlich, er „singt“ sich durchs Set und dirigiert die begeisternden Jünger vor der Bühne. Der Rest der zahllosen Maskenträger vollführt dabei auf der Bühne einen Spagat zwischen theatralischer Show und gekonnter Instrumentenbeherrschung. Wobei insbesondere die Schlagzeuger ins Auge fallen. Und bei all dieser brutalen Härte und aggressivem Sound trifft man sich dann unverhofft wieder bei so etwas wie einem Brüll-Refrain. Soundtechnisch fällt mir zu dieser Mucke eigentlich nur der Begriff derb räudig ein aber hab’ mir sagen lassen, daß ist gut und gewollt so .. ja dann ! Auch wenn ich persönlich mit SLIPKNOT nicht all zuviel anfangen kann – mehr als 10.000 Fans vor der Bühne feierten die Amis euphorisch ab.

Um kurz nach halb neun war es dann endlich soweit. Die 80er Pausenmusik vom Band verstummte und es erklang mit Ennio Morricones „The Ecstacy Of Gold“ (aus dem Italowestern „The Good, The Bad And The Ugly“) das Intro zum METALLICA Set – dazu die berühmte Friedhofsszene aus dem Streifen auf alle vier Leinwänden verteilt. Und dann kam METALLCIA auf die Bühne; wie immer in schwarz, wie immer absolut cool und mit „Blackened“ erst mal einen Kracher auf die Gemeinde loslassend. Der erste Song kämpfte zwar noch etwas mit einem dumpfen Sound, das hatte man dann aber recht schnell im Griff. Die ersten paar Songs kamen mir auch noch einen Tick zu leise aus den Boxen, aber auch das wurde im Laufe des Set immer besser, sprich lauter.
Aber was war mit Drummer Lars Ulrich. Mit Schrecken hatte die Fans vernommen, das beim vorherigen Gig in England Lars von den Drummern von Slipknot und Slayer ersetzt wurde, weil er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. „Ich hatte am Sonntag auf dem Flug nach England einen kleinen Vorfall. An viel kann ich mich nicht erinnern. Es war so eine Art Attacke, eine Altersattacke oder ein Schwächeanfall. 40 Jahre intensives Leben haben mich eingeholt“, erklärte Lars den MTV News. Zum Glück waren die Checks im Krankenhaus positiv und Lars kann den Rest der Tour spielen. Doch ganz harter Kerl, bereitet ihm die Verarbeitung seines Schwächeanfalls reichlich Probleme: „Ich tu so, als ob nix passiert wäre, denn ich habe noch nie bei einer Metallica Show gefehlt.“ Was ein echter Rockstar ist, der hat ein Privatflugzeug und kann seinen Hintern jederzeit dahin bewegen, wo er will. Im Fall von Lars Ulrich ist das Dänemark, denn da kann er sich bei von Alterserscheinungen und Tourstress bei Mutti erholen: „Wenn wir in Europa touren, reisen wir auch mal jeder alleine durch die Gegend. Ich bleibe für die ersten zwei Wochen der Tour in Dänemark. Nach jeder Show haue ich dann wieder ab zu meinen dänischen Kumpels und meiner Familie“, verriet uns Lars seinen Chill-Out Plan. (Quelle: www.metallicamp.de) Auf jeden Fall war Mr. Ulrich für die METALLICA-Show im Südweststadion wieder auf der Höhe und trotzte nur so vor Energie und Tatendrang – und am Ende des 140-minütigen Sets mit einem Extra-Dankeschön an die Fans. Außer, daß er ein paar mal kurz aufstand zwischen den Songs merkte man ihm absolut nichts an.

Zu der Setlist gibt es nicht viel zu sagen (siehe unten) - es war (fast) alles dabei was man als Fan so hören wollte, wenn auch leider nicht „For Whom The Bells toll“. Vom aktuellen, umstrittenen Longplayer „St. Anger“ gab es glücklicherweise außer dem Titeltrack noch „Frantic“ zu hören. Meiner Meinung nach kommen die Tracks Live weit besser als auf der CD rüber. Vor allem der Schluss des regulären Set mit „Creeping Death“, „Fade To Black“ und „Battery“ war astreines „kick ass“. Dazu eine riesige Bühne, eine klasse Lightshow und natürlich Feuerwerk und Explosionen. Aber vor allem das Wichtigste stimmte: Sound und Spiellaune. Ob „Fuel“, „Sad But True“, „Welcome Home (Sanitarium)” oder „Wherever I May Roam”; James Hetfield sang wieder mal alles in Grund und Boden, spielte dabei seine Gitarre als ob sie im angewachsen wäre. Über Drummer Ulrich ist ja schon alles gesagt und auch Kirk Hammet brachte seine Soli voll auf den Punkt – ihnen allen war mehr als einmal Szenenapplaus gewiss. Vor allem Hammet zeigte sich an diesem Tag einmal mehr als begnadeter Virtuoser und schüttelte unglaublich filigrane Solis aus dem Ärmel! Ebenfalls besonders erwähnt werden muß “Neu”-Basser Robert Trujillo – ein muskelbepacktes „Urviech“ der zwischendurch wahre Kriegstänze aufführte und mit einer extravaganten Gitarrenhaltung den Bass meistens auf Kniehöhe tat ein übriges ihn fast schon zum Liebling der Massen werden zu lassen. Mit „No Leaf Clover“ hatten METALLICA noch ein Schmankerl aus der S&M auf Live getrimmt und eröffneten damit den Zugabepart, welcher mit „Nothing Else Matters“, „Master of Puppets“, „One“ und „Enter Sandman“ die Gassenhauer der Band in Rund schmetterte. Dabei war bei dem Antikriegssong „One“ der Beginn mit Gewehrschüssen, Artillerieeinschlägen, MG-Salven, Feuersäulen aus der Bühne sowie Explosionen auf und neben der Bühne gigantisch inszeniert. Aber natürlich war noch nicht Schluss. Kenner wissen, es fehlt noch was: Seek And Destroy“. Und METALLICA gaben den lautstarken „Seek And Destroy“-Sprechchören nach und betraten nochmals die Bühne um erst mal nach ihrem 83er-Debüt der Kill’em All-CD zu fragen. In Erwartung von Seek And Destroy“ überraschten die Jungs die Fans mit Jump In The Fire“, dem sich der kultige Abschluss mit der Hymne „Seek And Destroy“ anschloss.
Jetzt war leider definitiv Schluss. Und so konnten sich die Metallicaheads nach 2:20 Stunden hochzufrieden und bei immer noch warmen bis tropischen Außentemperaturen (inklusive dem wunderbaren Grillgeruch aus sämtlichen Gärten rund um das Stadion herum) auf den Heimweg machen und dabei die Gewissheit mitnehmen: Vergeßt SLIPKNOT - Hetfield, Ulrich, Hammet und Neubassist Trujillo können’s noch immer und vor allem auf hohem Niveau.