GrÖnemeyer

13.6.2004

WÜrzburg

Auch wenn die gesamte Organisation eine einzige Katastrophe war, das Konzert an sich war sehr schön - wie schon letztes Jahr :-)
Presse:
Mensch, Grönemeyer bewegt die Massen 40 000 wollten den Superstar in Würzburg live sehen / Heitere und nachdenkliche Momente
Mensch, war das schön! Noch ganz gefangen von den vielen bewegenden Eindrücken, taumelten am Sonntagabend tausende Fans von den Mainwiesen in Würzburg zurück nach Hause. 40 000 hatten zuvor fast drei Stunden lang Herbert Grönemeyer zugejubelt und erst nach etlichen Zugaben ihren Star in die Nacht verschwinden lassen.
Sie standen noch in zweiter Reihe auf der Brücke der Deutschen Einheit 300 Meter hinter (!) der Bühne und auf der anderen Seite des Mains hoch oben in den Weinbergen: Grönemeyer-Fans, so weit das Auge reicht. Wie gesagt, 40 000 drängten sich auf dem knapp 20 000 Quadratmeter großen Zuschauerareal, hinzurechnen muss man noch etliche Zaungäste mit Hör-, aber oft ohne Sicht-Kontakt. Sie alle feierten einen Energie geladenen Herbert Grönemeyer dessen Open-air in Würzburg der Auftakt für mehrere Zusatzkonzerte in Deutschland im Rahmen der "Alles Gute von gestern bis Mensch"-Tournee in diesem Jahr war.
Der 48-jährige deutsche Erfolgsmusiker sang weitgehend erfolgreich gegen die Regenwolken über der Domstadt an. Die Sonne lugte gar hervor, als Grönemeyer dann zu den ersten Klängen von "Blick zurück" kurz vor halb neun auf Tuchfühlung mit seinen Anhängern ging und an den Absperrgittern vorbei lief. Dann hüpfte und steppte "Herbie" im legeren Outfit mit schwarzem Shirt über den 30 Meter langen Laufsteg Richtung Bühne.
200 Helfer und Techniker hatten im Vorfeld für die gut 50 Meter breite, 20 Meter hohe und 18 Meter tiefe Bühne sowie den Laufsteg rund 450 Tonnen Stahl verbaut. Ordentliche Vorarbeit war zudem von den "Sportfreunden Stiller" geleistet worden, die als Vorgruppe den Fans einheizten. Das Trio, das kürzlich schon bei "Rock im Park" für Stimmung sorgte, begeisterte mit Hits wie "7 Tage, 7 Nächte" oder dem Abschlusssong "Ich, Roque".
"Komm in die Gänge" hieß es schließlich bei Sympathieträger "Herbie" und er forderte, passend zur Textstelle, seine Anhänger zum Mitklatschen und Tanzen auf. Er selbst lief wie aufgedreht die ganze Breite der Bühne auf und ab - von seiner Operation am rechten Knie war kaum etwas zu merken, dennoch beeilte sich Grönemeyer zu erklären: "Ich tanze heute viel auf dem linken Bein. Und wenn ihr mehr tanzt, muss ich nicht so viel tanzen!" Im Handumdrehen hatte Grönemeyer die Lacher und das Publikum auf seiner Seite.
Bei seinem Dauerbrenner "Bochum" spannten sich einzelne Fanschals des VfL Bochum über den Köpfen, auch die Tribünengäste hielt es nicht mehr auf ihren Sitzplätzen. "Bochum - ich komme aus Dir", grölten die Fans aus Leibeskräften mit. Den Refrain zu "Männer" konnte Grönemeyer gleich den Sangeskünsten der leidenschaftlich-mitfiebernden Menge überlassen.
"Was soll das?", mag allerdings manch einer zwischendrin nicht nur gesungen, sondern auch gedacht haben. Denn vielen Fans, die sich nach Staus auf den Zufahrtstraßen und langen Warteschlangen am Eingang ganz hinten auf den Mainwiesen einreihen mussten oder auch vielen Rollstuhlfahrern, die auf einer kleinen Rampe am Eingang keinen Platz mehr fanden, war der Blick auf den Star und die sieben Leinwände vielfach versperrt. "Das war sehr schade. Aber der Funke sprang trotzdem über", meinte eine Besucherin.
Der charismatische Musiker zeigte sich nicht nur sicht- und hörbar gut gelaunt, sondern stimmte mit vielen Songs von seinem Album "Mensch" auch melancholisch-nachdenkliche Töne an. 1998 starben Grönemeyers Frau und sein Bruder. "Die Trauer wird immer bleiben, aber sie ändert sich", meinte Grönemeyer. Er habe auch Trost und Freude gefunden und sei glücklich. Feuerzeuge flammten auf und minutenlang war es dann still bei dem Lied "Der Weg".
Natürlich durfte auch der meterhohe aufblasbare Eisbär und der glitzernde Konfettiregen zum "Mambo" nicht fehlen. Tausende Arme bewegten sich wellenartig am Ufer des Mains hin und her. Unter tosendem Applaus ließ sich Grönemeyer noch zu einigen Zugaben hinreißen und dankte seinem Publikum mit den Worten. "Klasse. Klasse. Es war herrlich. Wunderbar. Dankeschön."
© Fränkische Nachrichten – 15.06.2004