Namibia/
Südafrika
15. November -
10. Dezember 1998
 
 
 
 

Mitten im Winter `98 ging es für Anja und mich das erste Mal nach Afrika. Das ganze habe ich Anja zu verdanken, denn sie hatte die Idee und ich bin total froh, dass ich mitgekommen bin :-)))
Wir waren natürlich total aufgeregt und hatten keine Ahnung was da so auf uns zukommt in den nächsten vier Wochen ...
Eine Aufregung zusätzlich für mich war noch, dass der Flug nach Windhoek mein erster Flug überhaupt war - und dann gleich so weit ...
Wir sind abends in Windhoek gelandet und gleich als wir aus dem Flugzeug ausstiegen schlug uns eine sehr angenehme warme Luft entgegen. Nachdem wir heil in unserer Pension angekommen waren, haben wir erstmal draussen ein Castle-Lager getrunken und uns gegenseitig immer wieder versichert, dass wir in Namibia sind - ganz weit weg von zu Hause und am untersten Zipfel von diesem riesigen Kontinent Afrika.
uns geht`s saugut ;-))
Am ersten kompletten Tag haben wir uns Windhoek angeschaut.
die Christuskirche in Windhoek
Richtig los ging dann der Urlaub am nächsten Tag als wir unser tolles Auto - einen Toyota Hilux mit Allradantrieb und Zelt auf dem Dach - abgeholt haben.
Von Windhoek aus sind wir in Richtung Norden gefahren, durch Okahandja und Otjiwarongo zum Waterberg.
Als wir uns erstmal an das Auto und das Linksfahren gewöhnt hatten, liess die Uffregung langsam nach. Wir haben unsere Reggaekassetten eingelegt und in vollen Zügen die Landschaft, die Weite und das Gefühl von Freiheit genossen :-)))
Waterberg
Abends gab es Reis und Hühnchen aus der Dose ... wir hatten leider nicht gesehen, dass auf der Dose "with bones" stand ... und wir haben uns kaputt gelacht, als Anja aus ihrer Dose einen riesigen Knochen gefischt hat :-))
Dann haben wir zum ersten Mal unsere von da ab allabendliche "Zubettgeh-Zeremonie" durchgeführt: Zelt aufbauen, Schlafsäcke auswickeln, Moskitonetz zurechtpfriemeln, im Schlafsack gemütlich machen, erzählen, Gute-Nacht-Zigarette ... und dann hat mindestens eine von uns festgestellt, dass sie noch mal auf`s Klo muss ....... also rausklettern, anziehen, Pipi und dann alles wieder von vorne ....... Das war teilweise etwas nervig, hat aber im Grossen und Ganzen total viel Spass gemacht und es war mal was ganz ganz anderes. Eine komplett andere Art von Urlaub halt. Wir mussten uns um alles selbst kümmern und waren aufeinander angewiesen.
Ich hätte mir einen solchen Urlaub auch mit kaum jemand anderem als Anja vorstellen können und wir wussten schon vorher, dass wir uns nach dem Urlaub entweder gar nicht mehr oder noch besser als vorher schon verstehen würden.
Wir haben in den mittlerweile vier Afrika-Urlauben sehr sehr viel Schönes und Aufregendes miteinander erlebt und auch dadurch haben wir eine ganz besondere Art von Freundschaft.
Hab dich lieb Anja :-)))

Die erste Nacht in unserem Zelt war gut und nach einem letzten Blick auf den Waterberg sind wir am nächsten Morgen gut gelaunt in Richtung Etosha Nationalpark aufgebrochen.
Schon bevor wir im Park waren haben wir einige Tiere gesehen und es wurden immer mehr. Ist einfach der Wahnsinn wenn man die Tiere, die man bis dahin nur im Fernsehen gesehen hat, in ihrer Heimat zu sehen.

Gezeltet haben wir in Okaukuejo:
Abends waren wir an einer Wasserstelle und ganz viele Tiere waren auch da: Elefanten, Zebras, Nashörner, Giraffen, Springböcke, Antilopen ...
Wir konnten uns gar nicht sattsehen! Und das Ganze unter einem Sternenhimmel der echt der Oberhammer war! So viele Sterne hab ich vorher noch nie gesehen ... dafür haben wir vergebens den Mond gesucht ;-)

Am nächsten Tag haben wir eine Rundfahrt durch den Park gemacht und noch viel mehr Tiere gesehen.

Es wurde uns auch klar, warum von der Etosha-"Pfanne" gesprochen wird: eine riesige Salzwüste soweit das Auge reicht.
Und Anja mittendrin :-)
Nach einer weiteren Nacht in Etosha ging die Fahrt weiter:
Okaukuejo - Outjo - Khorixas - Twyfelfontein - Burnt Mountain - versteinerter Wald - Brandberg
die Felsgravuren in Twyfelfontein
wunderschöne Fahrt durchs Damaraland
eine Frau öffnet uns für ein bisschen Geld eins der vielen Gatter auf unserem Weg
Auf dem Rückweg vom Brandberg - übrigens mit 2579 Metern der höchste Berg Namibias - hatten wir arge Orientierungsprobleme. Die Sonne ging langsam unter und irgendwie hatten wir Schwierigkeiten in dem sich ständig ändernden Licht den richtigen Rückweg zu unserer Strasse zu finden ...
Am Arsch der Welt, nämlich in Uis haben wir für umgerechnet 3 Mark die Nacht verbracht, mit riesigen Spinnen im Klo und ausser uns nur zwei Schweizerinnen auf dem Campingplatz, der eigentlich ein Sportplatz war ;-)

Weiter ging die Fahrt am folgenden Morgen in Richtung Meer:
Uis - Hentiesbay - Cape Cross - Swakopmund


Anja im Nichts 
auf dem Weg nach 
Swakopmund
Cape Cross - eine riesige Robbenkolonie
(viel Krach und noch mehr Gestank!)
am Strand von Swakopmund
grosse Mupfeln gibt`s hier :-)
In Swakopmund haben wir erstmal fein gegessen, Oryxantilope gab`s - hhmmm!
Und danach kuckten wir uns ein bisschen in der Stadt um.
Wie sich das für richtige Touris gehört - man macht ja alles was es so gibt - stand als nächtes Kamelreiten auf dem Programm. (Wo es ja auch so viele Kamele im südlichen Afrika gibt ... ;-))
Mein Kamel hiess "Bushman", gehört hat es auf den Namen aber nicht, und auf der Farm gab es einen kleinen Zebraesel ;-)) ups ...
Dann waren wir noch in dem echt schönen Aquarium und haben uns Jochen den Rochen und Kai den Hai angeschaut.
Der Abend war total lustig. Wir waren im "African Cafe" und anschliessend im "Fagins". Zuerst waren wir uns noch etwas unschlüssig, was Sicherheit usw. angeht, das hat sich aber bald gelegt. (Wenn ich damals gewusst hätte, dass ich zwei Jahre später alleine nachts durch Swakopmund laufen würde...)
Wir haben viele nette Menschen kennengelernt, unter anderem Desmond, der mittlerweile zu einem richtig guten Freund wurde und den ich seitdem noch des öfteren getroffen habe:
Teilweise war uns zwar etwas mulmig zumute, weil wir ja nicht wussten, wie die Leute so drauf sind, wie sicher unser Auto steht und überhaupt ...
War auch alles nicht ganz unbegründet, der Rest der Nacht war dann nämlich gar nicht mehr so lustig, genauer gesagt hatte ich noch nie soviel Angst wie in dieser Nacht ...
Wir sind ziemlich spät auf unseren Campingplatz "Mile 4" ausserhalb der Stadt gefahren, haben gut gelaunt und leicht angetrunken unser Zelt aufgebaut und wollten dann eigentlich schlafen.
Plötzlich hörten wir Stimmen von unten und dann ging`s auch schon los. Ein paar Männer haben unsere Nachbarn überfallen. Wir hörten eine der Frauen wie am Spieß schreien und wussten gar nicht was wir machen sollten. Im Endeffekt ist nichts Schlimmes passiert, die Männer hatten Messer dabei, haben unseren Nachbarn ein paar Sachen geklaut und waren recht schnell wieder verschwunden.
Das Ganze hätte aber auch anders ausgehen können, denn der Wachmann hat wohl geschlafen und der Elektrozaun war aus. Die Männer hätten uns also genausogut abstechen können, es hätte keiner mitbekommen. Der riesige Zeltplatz liegt weit ausserhalb von Swakopmund und ausser uns gab es dort nur noch die vier Leute zu denen wir uns extra schon gestellt hatten und einen Fischer, der komplett ausgeraubt wurde, wie sich am nächsten Morgen herausstellte.
Es war auf jeden Fall eine Horrornacht, an Schlaf war natürlich erstmal nicht mehr zu denken und wir haben ständig irgendwelche Geräusche gehört oder Lichter gesehen. Irgendwann sind wir dann doch vor lauter Angst und Erschöpfung eingeschlafen. Als wir wach wurden, war es zum Glück hell und die Polizei war da, wir mussten noch ein paar Fragen beantworten und sind dann schnell losgefahren ... möglichst weit weg von "Mile 4". Was uns dieser Zwischenfall allerdings gelehrt hat war, dass wir sicher nicht nochmal auf so einen einsamen Zeltplatz gegangen wären.
Die Reise ging dann weiter Richtung Süden:
Walvis Bay - Namib-Naukluft-Gebirge - Solitaire - Sesriem - Sossus Vlei
Die Gegend ist einfach überwältigend schön und fahrtechnisch recht abenteuerlich. Aber noch gar nichts im Gegensatz zu dem was noch so kommen sollte ...
Wir haben uns den Canyon von Sesriem angeschaut und dann erstmal ewig lang gewartet, wir hatten uns nämlich nicht zum Zelten angemeldet (wie später noch so oft) und es werden dort nur eine begrenzte Anzahl Camper aufgenommen, u.a. wegen dem knappen Wasser.
Wir hatten Glück, konnten da bleiben (keine Ahnung, was wir sonst gemacht hätten) und bekamen ein schönes Plätzchen, das wir mit einer Gruppe ganz netter Australier geteilt haben.
Blick von unserem Zeltplatz:
Abends gab`s noch ein Bierchen und am nächsten Morgen sind wir um 5 Uhr noch im Dunkeln aufgestanden, weil wir den Sonnenaufgang in den Dünen sehen wollten.
Wir haben die Sonne auch aufgehen sehen, aber erst nachdem wir uns schön im Sand festgefahren hatten ...
Das letzte Stück zum Sossus Vlei muss man entweder laufen oder mit einem Allrad-Auto fahren. Allrad hatten wir ja, also los ...
Zuerst ging das auch ganz gut, aber dann sind wir über einen kleinen Hügel gefahren, stellten fest, dass wir falsch waren und kamen nicht wieder zurück :-(
Etliche Versuche später kam langsam die Panik hoch, denn es war weit und breit keine Menschenseele unterwegs.
Wir sind dann ein Stück gelaufen und begegneten zum Glück einem netten Holländer, der unser Auto ganz schnell wieder befreit hatte :-)
Jetzt stand Sossus Vlei nichts mehr im Wege und wir kletterten die berühmte riesige Düne hoch (ganz schön anstrengend übrigens) und bewunderten die wahnsinnig schöne Aussicht über die Namib. Der rote Sand, der blaue Himmel, die Weite, Ruhe .... einfach unglaublich!
Auf der Rückfahrt haben wir uns dann auch nochmal festgefahren (ein halbes Jahr später im Okavango-Delta hat das mit dem Allradfahren besser geklappt ;-)) und wurden diesmal von einem Bus Turban tragender Männer gerettet. Schneller als wir kucken konnten, sind die aus ihrem Bus gesprungen, haben uns angeschoben und waren genauso schnell wieder weg :-) Cool!
Von der Namib ging die Fahrt in die Kalahari:
Zarishoagte Pass - Maltahöhe - Mariental - Intu-Afrika-Lodge
Von dieser Lodge hatten wir im Reiseführer gelesen und da wir uns verrechnet hatten und noch eine Nacht übrig war bis zu unserer letzten Nacht in Windhoek, haben wir uns auf den Weg dorthin gemacht.
Da war es ganz schön nobel und wir wollten zuerst auf dem Campingplatz der Lodge schlafen. Allerdings lag der total abgelegen und wir wären die einzigen gewesen und das wollten wir dann wirklich nicht nochmal haben ...
Aber ansonsten war der Platz superschön - alles ganz naturbelassen, Duschen unter freiem Himmel usw. Schade!
Also sind wir wieder zurück zur Lodge gefahren und haben denen von unserem Überfall-Erlebnis erzählt. Die hatten auch gleich Verständnis und es war auch klar, dass wir uns nicht noch irgendwas anderes suchen konnten, weil es langsam dunkel wurde und im Dunkeln sollte man nicht mehr fahren.
Also hatten wir schon wieder mal Glück (vielleicht gar nicht so schlecht, zu zweit als Frauen zu reisen ...) und durften für den Preis vom Campingplatz in einem super noblen Zimmer der Lodge schlafen ;-))
Der Preis war sozusagen "all inklusive" : darin enthalten war ein Game Drive am Nachmittag durch das Gelände der Lodge, wo wir einige Tiere gesehen haben und mitten in der Pampa plötzlich ein Tisch mit ner weissen Tischdecke auftauchte und ein Sektchen gereicht wurde ..... krass!!! Und abends ein sehr leckeres Abendessen am Feuer mit lecker Weinchen.
Sehr lustig war die Reaktion der anderen Gäste, als wir mit unseren verstaubten Klamotten und Rucksäcken einmarschierten. Wir passten so gar nicht dorthin und die schicken Damen und Herren die nett ne Safari machen wollten, wussten wohl auch nicht, was wir da wollten ... :-))
Am nächsten Morgen gab es zuerst ganz früh Café und Kekse (natürlich auch alles im Preis inbegriffen), dann einen "Bushman-Walk" : zwei San haben uns auf einem Spaziergang die Spuren der Tiere aus der Nacht gezeigt. War sehr interessant!
Nach einem super Frühstück ging das Programm weiter mit einer Fahrt zu einer Art San-Show-Dorf. Eigentlich keine schlechte Sache - auch wenn man sich ein bisschen wie im Zoo vorkommt. Es wird der Spagat zwischen Traditionen und unumgänglichen Neuerungen für die San probiert.
Dann kam die Rückfahrt nach Windhoek - der Kreis schliesst sich - über Kalkrand und Rehoboth.
Einen kurzen Abstecher haben wir noch im Daan Viljoen-Park gemacht. Aber da wir nicht mehr so viel Benzin hatten und nicht unbedingt in dem Park noch irgendwo trocken fahren wollten ... sind wir bald wieder zurück zu unserer Pension gefahren. Irgendwie war es fast wie Heimkommen :-)
Wir haben dann erstmal Wäsche gewaschen und unsere Reise Revue passieren lassen - schon Wahnsinn, was man in zehn Tagen so alles erleben kann. Wir waren schon so randvoll mit Eindrücken und Erlebnissen, dass der Urlaub hier schon hätte enden können - aber den längeren Abschnitt hatten wir ja noch vor uns: SÜDAFRIKA :-)
Den letzten Abend haben wir mit einer Bekannten und ihren Freunden bei einem Mexikaner in Windhoek verbracht.
Ja und am nächsten Morgen haben wir unseren Toyota, den wir echt liebgewonnen hatten, zurückgegeben :-(
Und dann sind wir mit South African Airways von Windhoek nach Kapstadt geflogen. Wir hatten vorher für die ersten drei Nächte eine  Pension in der Hout Bay gebucht und wurden von der Besitzerin abgeholt. Die Fahrt ging vorbei an dem riesigen Township um Cape Town und uns war ganz komisch zumute. Alles sah so anders und viel grösser aus als in Namibia ...
Als wir in unserer superschönen Pension ankamen und auf der Terasse standen, konnten wir uns langsam an den Gedanken gewöhnen, jetzt in Südafrika und am Meer zu sein :-) Krasser hätte der Unterschied zu Namibia wohl nicht sein können.
die Hout Bay
Abends waren wir schön Fisch essen und am nächsten Tag haben wir unser neues Auto bekommen. Wieder ein Toyota, diesmal ein Corolla.
Mit ihm sind wir dann gleich nach Kapstadt gefahren und haben uns die Stadt, die Waterfront und den Tafelberg angeschaut. Unterwegs haben wir noch "Papa Günter" aus Berlin kennengelernt, der uns begleitet hat.
Der Blick vom Tafelberg auf die Stadt ist total klasse, das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen ... wenn man grade schon mal in der Gegend ist ;-)
 
 

... Fortsetzung folgt ...

Hier sind schon mal die restlichen Bilder: